Audiation

Durch „Audiation“ können wir Musik verstehen. Der Begriff wurde von Gordon geprägt und bezeichnet die Fähigkeit, musikalisch zu denken. Genauer gesagt ist damit gemeint, Musik in der Vorstellung – also mental – zu „hören“ und zu verstehen, auch wenn sie nicht unmittelbar physikalisch gegenwärtig ist, also z.B. nicht beim Abspielen einer CD gehört wird oder aus dem eigenen Instrument erklingt.
Vergleichen wir noch einmal mit der Sprache und denken wir z.B. an ein Gespräch: Wenn wir sprechen oder wenn wir jemandem beim Sprechen zuhören, behalten wir das soeben Gesprochene oder Gehörte im Kopf innerhalb einer Sinneinheit. Dadurch können wir dem Gespräch folgen ohne den roten Faden zu verlieren und sogar den weiteren Verlauf vorhersagen.
Genauso gehen wir mit den Tönen eines Musikstücks vor: Ob wir es gerade hören oder selbst spielen und dabei die Töne erahnen, die als nächstes folgen werden; Ob wir uns ein Musikstück wieder in Erinnerung rufen, das wir vor kurzer oder vor längerer Zeit gehört haben; Ob wir im Kopf ein Lied stumm singen; Ob wir Noten lesen oder schreiben und dabei den Klang innerlich „hören“; Ob wir mit Stimme oder Instrument improvisieren: Audiation ist all dies, und noch viel mehr.
Audiation kann man nicht unterrichten. Man kann das Kind jedoch informell, mittels spezieller Lernaktivitäten, zu dieser fundamentalen Fähigkeit hinführen. Man hilft ihm, die eigene Audiation zu entwickeln, indem man mit ihm einen musikalischen Dialog aufbaut und es zu einer Imitation hinführt, die nicht mechanisch wiederkäut, sondern aus wirklich Assimiliertem schöpft.
Das Ziel der Music-Learning-Theory-Kurse ist, jedem Kind die Entwicklung der Audiation zu ermöglichen.

Audiation ist für die Musik was der Gedanke für die Sprache.
Vor dem Erlernen eines Musikinstruments ist es entscheidend, die Audiation zu entwickeln: das innere Instrument.

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